Journalisten des Schwäbischen Tagblatts und der Südwest Presse/Neckar-Chronik Horb streiken. Hier steht, warum.
Was würden Sie tun, wenn Ihr Gehalt um 25 Prozent gekürzt würde?
In diesen Tagen laufen die Tarifverhandlungen in der Zeitungsbranche. Und was die Verleger den Redakteurinnen und Redakteuren der deutschen Tageszeitungen androhen, ist kaum zu glauben, aber wahr: Einkommenskürzungen von 25 Prozent! 25 Prozent weniger Geld für alle, die neu in den Beruf einsteigen oder einen neuen Vertrag bekommen, weil sie ihren Arbeitgeber wechseln – und als wäre das noch nicht genug, sollen auch alle anderen Kolleginnen und Kollegen Einbußen von 5 Prozent hinnehmen. Was hinzukommt: die Gehälter von Redakteuren und Redakteurinnen sinken faktisch schon seit zehn Jahren. Noch nie war ihr Job so schlecht bezahlt wie heute.
Deshalb streiken wir.
In anderen Branchen wird gestreikt, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. In der Zeitungsbranche ist das anders: Wir Redakteure und Redakteurinnen, die heute in ganz Baden-Württemberg in den Warnstreik treten, wehren uns gegen eine massive Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Dazu gehört nicht nur der Versuch, die Einkommen zu senken. Dazu gehört auch der Versuch, die Arbeit systematisch zu verdichten. Weniger Geld für mehr Arbeit: das ist das Ziel der Verleger, denen es in Baden-Württemberg nicht so schlecht geht, wie sie immer behaupten. Im Gegenteil. Sie machen wieder gute Gewinne. Wenn Redakteure und Redakteurinnen in diesen Tagen ihre Arbeit niederlegen, stürzen sie ihre Verlage nicht in den Ruin. Sie fordern nur das Selbstverständliche: gutes Geld für gute Arbeit.
Es geht um die Qualität Ihrer Zeitung.
Wenn die Verleger sich mit ihren Forderungen durchsetzen, werden das auch die Leser von Tageszeitungen zu spüren bekommen. Enorme Einkommensverluste und massive Arbeitsverdichtung: das eine gefährdet die finanzielle Unabhängigkeit von Journalisten, das andere die Qualität ihrer Arbeit. Und beides zusammengenommen führt zur radikalen Abwertung eines Berufsstands, dem in der Demokratie als „vierte Gewalt“ eine wichtige Kontrollfunktion zugesprochen wird. Redakteure und Redakteurinnen aber, die als Billiglohnarbeiter in Verlagen anheuern müssen, können diese Aufgabe beim besten Willen nicht mehr seriös erfüllen. Und darunter werden auch Sie als Leser zu leiden haben: Die Qualität Ihrer Tageszeitung, ob gedruckt oder im Netz, wird abnehmen, wenn den Verlegern nicht Einhalt geboten wird. Redakteure und Redakteurinnen sorgen sich in diesen Tagen deshalb nicht nur um ihren Berufsstand, sondern auch um ihre Leser: Sie, die Leser, haben Anrecht auf einen guten Journalismus!
Unterstützen Sie uns!
Wir machen die Zeitung. Und Sie, als Leser und Abonnenten, zahlen gutes Geld dafür. Doch davon kommt immer weniger bei denen an, die in den Redaktionen für Sie arbeiten. Unterstützen Sie uns: Schreiben Sie an die Verleger und Chefredakteure Ihrer Zeitung!
Die sich im Streik befindenden Journalisten und Journalistinnen von Tageszeitungen aus ganz Baden-Württemberg.