Ja, ich möchte Journalistin werden – ich weiß nicht wie oft ich diesen Satz schon gesagt habe, immer mit einem verteidigenden, entschlossenen Ton in der Stimme, als ich gefragt wurde, ob ich mir das mit meinem Berufswunsch wirklich gut überlegt hätte. Denn im Vergleich zu den vergangen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten hat sich viel verändert.
Man sucht sich beispielsweise nicht die Stadt aus, in der man nach dem Studium leben möchte, sondern man bewirbt sich möglichst deutschlandweit und zieht dann dorthin, wo man Arbeit findet. Lässt Freunde und Familie Hunderte von Kilometern weit hinter sich, um seinen Traumberuf auszuüben. Man erlebt, wie Redakteure überarbeitet bis spät abends vor ihrem PC sitzen, um den Artikel für den kommenden Tag fertig zuschreiben, weil Stellen nicht mehr besetzt werden und das Redaktionsteam stetig schrumpft.
„Kannst du heute Abend spontan zu dem Event, Ereignis…. es ist wirklich wichtig, dass wir darüber berichten!“ Klar kann ich. Das Handy steckt immer für einen Anruf bereit in meiner linken Hosentasche. Denn wer Journalist ist, ist es mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand. Wer Journalist ist, ist flexibel, lebt für den Beruf, die Region, die Geschichten und für die Leser. Ich wusste, dass die Anfänge des Journalisten-Dasein, nicht einfach werden würde. Ich ging zur Berufsberatung, um alles richtig zu machen. Absolvierte erst meinen Bachelor- und dann meinen Masterabschluss in der Regelstudienzeit, trotz Latinum, das ich nachholte und einem Jahr Auslandsaufenthalt.
Und jetzt, wo ich fertig mit allem bin, nehme ich entsetzt die Lohnvorstellungen der Verleger wahr. Gleichzeitig erlebe ich, wie sich erfahrene Journalisten, die teilweise vor dem eigenen Ruhestand stehen, für einen stark machen. Sie gehen auf die Straße und demonstrieren gegen Gehaltskürzungen, die vor allem uns Nachwuchsjournalisten betreffen. Ich bekomme mit, wie sie sich neue Ideen für Kundgebungen einfallen lassen, um das Vorhaben der Verleger publik zu machen und dagegen anzukämpfen. Sehe, wie sie mit einem unermüdlichen Ehrgeiz auf der Straße stehen, Flugblätter verteilen, Unterschriften sammeln und kämpfen.