ARD-Beitrag: Wie ein bloggender freier Journalist den Tarifkonflikt sieht

Seit Monaten verhandeln Gewerkschaften und Zeitungsverleger über einen neuen Tarifvertrag für Redakteure – erfolglos. Es gab Warnstreiks, Zeitungen erschienen in abgespeckter Version. Ein Streitpunkt: Die Forderung der Verleger nach Tarifkürzungen für Berufsanfänger. Heute wird weiter verhandelt.

Zum Beitrag der ARD.

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Verschwundenes Banner wieder aufgetaucht

Das zeitweise von der Bauruine an der Blauen Brücke in Tübingen verschwundene Banner, das unbekannte Journalisten dort aufgehängt hatten, ist jetzt wieder aufgetaucht. Am Dienstagnachmittag hängten die unbekannten Journalisten das Riesen-Plakat am Neckartor auf.

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Bildergalerie vom Thesen-Stadtrundgang

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Sieben Thesen für guten Journalismus

Knapp fünfzig streikende Journlist(inn)en haben in Tübingen am Montagnachmittag sieben Thesen über guten Journalismus an wichtigen Tübinger Türen angebracht. Redaktionskollegen aus Ulm (Südwest Presse), Göppingen (Neue Württembergische Zeitung/NWZ), Ehingen (Ehinger Tagblatt) und Reutlingen (Reutlinger Generalanzeiger) besuchten die streikenden Tübinger.

Die sieben Thesen:

Gute Journalisten…
…sind unabhängig und kritisch.
…recherchieren gründlich.
…decken Missstände auf.
…kontrollieren die Regierenden und Mächtigen.
…kommentieren Themen, die die Menschen bewegen.
…gehen sorgfältig mit Sprache um.
…verstehen sich als Anwälte der Leser.

"Journalisten gehen sorgfältig mit Sprache um", war die an der Neuen Aula vorgestellte These.

Die Route führte von der Stiftskirche über das evangelische Stift, das Schloss, das Rathaus, die Kelter und die Neue Aula zum Landgericht. An jeder Station wurden die Thesen symbolisch angebracht und ein Tagblatt-Redakteur oder eine Tagblatt-Redakteurin erklärte, was es mit den Thesen im Detail und im Alltag auf sich hat. Damit die auswärtigen Kollegen Tübingen etwas kennenlernen konnten, wurde der Rundgang mit einer kleinen Stadtführung kombiniert.

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Eine angehende Volontärin über ihren Traumberuf

Ja, ich möchte Journalistin werden – ich weiß nicht wie oft ich diesen Satz schon gesagt habe, immer mit einem verteidigenden, entschlossenen Ton in der Stimme, als ich gefragt wurde, ob ich mir das mit meinem Berufswunsch wirklich gut überlegt hätte. Denn im Vergleich zu den vergangen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten hat sich viel verändert.

Man sucht sich beispielsweise nicht die Stadt aus, in der man nach dem Studium leben möchte, sondern man bewirbt sich möglichst deutschlandweit und zieht dann dorthin, wo man Arbeit findet. Lässt Freunde und Familie Hunderte von Kilometern weit hinter sich, um seinen Traumberuf auszuüben. Man erlebt, wie Redakteure überarbeitet bis spät abends vor ihrem PC sitzen, um den Artikel für den kommenden Tag fertig zuschreiben, weil Stellen nicht mehr besetzt werden und das Redaktionsteam stetig schrumpft.

„Kannst du heute Abend spontan zu dem Event, Ereignis…. es ist wirklich wichtig, dass wir darüber berichten!“ Klar kann ich. Das Handy steckt immer für einen Anruf bereit in meiner linken Hosentasche. Denn wer Journalist ist, ist es mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand. Wer Journalist ist, ist flexibel, lebt für den Beruf, die Region, die Geschichten und für die Leser. Ich wusste, dass die Anfänge des Journalisten-Dasein, nicht einfach werden würde. Ich ging zur Berufsberatung, um alles richtig zu machen. Absolvierte erst meinen Bachelor- und dann meinen Masterabschluss in der Regelstudienzeit, trotz Latinum, das ich nachholte und einem Jahr Auslandsaufenthalt.

Und jetzt, wo ich fertig mit allem bin, nehme ich entsetzt die Lohnvorstellungen der Verleger wahr. Gleichzeitig erlebe ich, wie sich erfahrene Journalisten, die teilweise vor dem eigenen Ruhestand stehen, für einen stark machen. Sie gehen auf die Straße und demonstrieren gegen Gehaltskürzungen, die vor allem uns Nachwuchsjournalisten betreffen. Ich bekomme mit, wie sie sich neue Ideen für Kundgebungen einfallen lassen, um das Vorhaben der Verleger publik zu machen und dagegen anzukämpfen. Sehe, wie sie mit einem unermüdlichen Ehrgeiz auf der Straße stehen, Flugblätter verteilen, Unterschriften sammeln und kämpfen.

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Solidaritätsbekundung vom Betriebsrat von Siemens Geared Motors (früher Flender)

Liebe SWP und Tagblatt-Redaktion,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen des Betriebsrats der Siemens Geared Motors GmbH und der IG-Metall-Vertrauensleute in der Firma möchte ich die Journalistinnen und Journalisten bei ihren berechtigten Forderungen unterstützen und mich mit den Kolleginnen und Kollegen solidarisieren.

Wir alle erwarten von den Journalistinnen und Journalisten gute Arbeit, wollen gut recherchierte Berichte und Kommentare haben.

Um das alles wie erwartet zu bekommen, müssen die Kolleginnen und Kollegen auch gute Arbeitsbedingungen haben. Dafür müssen alle kämpfen. Eigentlich sollte die Zeitung, bis die Forderungen erfüllt sind, nicht erscheinen.

Ich würde mich freuen, wenn ich morgen im Briefkasten anstelle der sowieso abgemagerten Zeitung einen Zettel vorfinden würde, in dem ich informiert werde: “Die Zeitung konnte nicht geliefert werden, weil alle Beschäftigten sich im Streik befinden.”

Mit freundlichen Grüßen

Ismayil Arslan
Betriebsrat
Siemens Geared Motors GmbH

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Es erreichen uns weitere Solidaritätsadressen. Hier eine der Tübinger Linken:

Liebe SWP, GEA- und Tagblatt-Redaktion, liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen der LINKEN, des Kreisverbandes Tübingen, der Kreistagsfraktion und der Stadtratsfraktion solidarisiere ich mich mit Euren Forderungen. Gute Arbeit darf nicht weiter abgewertet werden! Das gilt für den Journalismus und alle anderen Bereiche der abhängigen Beschäftigung.

Es kann nicht sein, dass es einen Wirtschaftsaufschwung gibt und die Löhne und Gehälter im Verhältnis absinken. Dieser, mit der Agenda 2010 von SPD und Grünen eingeleiteten Entwicklung bei Löhnen und Gehältern, muss auch mittels Tarifpolitik endlich der Garaus gemacht werden.

Viel Erfolg wünscht

Gerlinde Strasdeit

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